Leben und Wohnen
Auch bei optimalen strukturellen Voraussetzungen und bei besten Haltungen und gut gemeintem Willen der MitarbeiterInnen
ist Wohnen in einer Einrichtung der Behindertenhilfe immer nur eine ‘notwendige’ Möglichkeit, das Leben angemessen zu gestalten.
Das Leben innerhalb der eigenen Familie oder selbständig und alleine ohne fremde Hilfe wäre für einen Teil unserer BewohnerInnen das Lebensziel.
Wir bemühen uns als MitarbeiterInnen, diesem Ziel so nahe wie möglich zu kommen.
Mit der Frage “ Kannst Du Dir vorstellen, in Deiner eigenen Gruppe zu leben und zu wohnen ?” kann das vielleicht ein Stück weit gelingen.
Mit dem Leitbild wollen wir aufzeigen, woran wir uns in Zukunft orientieren. Es soll Antworten geben auf die Fragen
Wer sind wir ?
Was wollen wir ?
Dieses Leitbild ist von MitarbeiterInnen des Haus St. Vitus entwickelt worden und wird zu gegebener Zeit fortgeschrieben. Es wird von uns allen verbindlich mitgetragen. Unsere BewohnerInnen haben das Entstehen des Leitbildes kritisch begleitet.
Wer sind wir ?
St. Vitus ist einer der 14 Nothelfer und gilt als Fürsprecher für zahlreiche von Leid und Behinderung gekennzeichnete Menschen.
Der Heilige Vitus ist zugleich Namenspatron ( 15. Juni ) der Gemeinde Everswinkel. Alljährlich findet deshalb ein großes Vitusfest statt.
Das „Haus St. Vitus“ hat bereits eine lange Geschichte. Von 1887 bis 1978 diente es den Everswinkelern als Krankenhaus.
Seit dem 1.9.1982 leben hier nun Menschen zusammen in einer Wohneinrichtung in Trägerschaft des Kreiscaritasverbandes Warendorf e.V.
Zur Zeit hat das Haus 58 Plätze, es wohnen 27 BewohnerInnen im Haupthaus und 6 BewohnerInnen in der seit 1995 bestehenden ausgelagerten Wohngruppe
in der Nachbarschaft und 19 Bewohner in 2 ausgelagerten Wohngruppen im Altgebäude.
Bewohner ziehen auch in dezentral betreute Wohnungen.
Träger des Hauses ist der Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf e.V., der dem Deutschen Caritasverband angeschlossen ist.
Als einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege übernimmt der Caritasverband
öffentliche Aufgaben bei der Durchführung sozialer Aufgaben in der Bundesrepublik Deutschland (Subsidiarität).
Der Kreiscaritasverband Warendorf gehört zum Caritasverband für die Diözese Münster.
Was wollen wir ?
Caritas bedeutet, den Menschen in seiner Würde schützen, solidarisch miteinander leben in einer pluralen Welt und Verpflichtung über Grenzen hinweg.
Quelle der Caritasarbeit ist der menschenfreundliche Gott, seine Botschaft ist unser Auftrag und unsere Ermutigung.
Grundlage unseres Handelns sind der christliche Glaube und das humanistische Menschenbild mit den Botschaften von Liebe, Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit für alle Menschen.
Dazu gehört für uns an erster Stelle die Achtung eines jeden Menschen als einmalige und unverwechselbare Person.
Jeder Mensch ist einzigartig und hat ein Recht auf Anerkennung und auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.
Jeder kann im Rahmen unserer Möglichkeiten seinen Wohnraum frei gestalten, ein Ausbau von weiteren, individuellen Wohnformen mit kleineren Wohneinheiten ist unser Ziel.
Unsere BewohnerInnen leben ihre eigene Religion, ihren eigenen Glauben, und erhalten von den MitarbeiterInnen soviel Begleitung und Orientierung, wie sie es wünschen. Die Aufnahme von BewohnerInnen in unser Wohnheim ist nicht an eine Religionszugehörigkeit gebunden.
Für uns steht der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten (Ressourcen) im Vordergrund.
Menschliche Entwicklung findet lebenslang statt, Defizite und Einschränkungen gehören zum menschlichen Leben und können durch entsprechende Begleitung und Förderung gemildert, ausgeglichen oder stabilisiert werden.
Ebenso gehören der Wunsch nach Veränderung zum Leben und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren.
Im partnerschaftlichen Dialog zwischen BewohnerInnen und MitarbeiterInnen werden Bedürfnisse und Wünsche von beiden Seiten ernst genommen, sie werden verhandelt und sind Grundlage einer gemeinsamen Betreuungsplanung, die regelmäßig überdacht und fortgeschrieben wird.
MitarbeiterInnen und BewohnerInnen schaffen eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen können.
Unsere MitarbeiterInnen sind wertvoll. Deshalb hat jede(r) Raum für persönliche und berufliche Entfaltung. Fortbildung, Reflexion und Supervision gehören zum Alltag.
Wir legen Wert auf eine gute Zusammenarbeit zwischen hauptberuflichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.
Alle BewohnerInnen erhalten Eingliederungshilfe gemäß §§ 39/40 Bundessozialhilfegesetz.
Recht auf volle Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft heißt, Zugang zu haben und nicht aufgrund einer Beeinträchtigung ausgeschlossen zu sein. Integration und Normalisierung sind Ideen, die sich in allen Bereichen des täglichen Lebens verwirklichen lassen sollten.
Deshalb setzen wir uns für eine intensive Einbindung an das Leben in der Gemeinde Everswinkel und in den beiden Kirchengemeinden ein.
Wir stellen die dafür erforderlichen Hilfen zur Verfügung und setzen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten vor Ort und in den entsprechenden Gremien dafür ein, dass diese Hilfen auch weiterhin erhalten bleiben und erweitert werden. In Zeiten, in denen Wirtschaftlichkeit und der Schutz des Aktienkapitals Vorrang haben vor dem Schutz der Schwachen und Bedürftigen, sind wir wachsam und handeln.
Die im Rahmen der sogenannten „Bioethik“ geführten Diskussionen unter reinen Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten lehnen wir ab.
Wir wollen in unserer Einrichtung Menschen, die im Alltag auf bestimmte Hilfen angewiesen sind, einen lebenslangen Ort zum Leben ermöglichen.
Hier sollen die Grundbedürfnisse nach
Sicherheit, Schutz und Geborgenheit
nach Bestätigung und Vertrautheit
nach Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung
nach Kontakt und Kommunikation und der Wunsch nach
Selbstdarstellung und Sinngebung
erfüllt werden. Wer bei uns lebt, soll auch seinen Lebensabend bei uns verbringen können und hier in Würde sterben dürfen.
1 Vgl.: “Leitbild des Deutschen Caritasverbandes auf einen Blick” (
caritas)